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Ameland-Geschichte(n)

Ameland-Geschichte(n):
Eine Reisebericht aus dem Jahre 1996

Alle Jahre wieder:
Ameland - Perle im Meer
Die Kinderfreizeiten der Pfarrgemeinde St. Matthias gibt es seit über 20 Jahren

Ameland gehört zu den westfriesischen Inseln, gehört zu den Niederlanden, ist 23 km lang und zwischen 2 und 4 km breit. Ameland erreicht man mit der Fähre von Holwerd aus in 45 Minuten. Auf der Insel wohnen etwa 3500 Menschen in vier Dörfern. Im Sommer werden zehntausende Touristen auf die Insel gelassen, die in Hotels und Appartements, in Ferienhäusern, Wohnwagen und Zelten ihren Urlaub verbringen und vor allem auf gutes Wetter hoffen, um den Nordseestrand nutzen zu können.

Aber in dem Ort Buren fällt sofort ins Auge, dass ständig Kindergruppen unterwegs sind: nach Nes, dem Hauptort, zum oder vom Strand, zu Fuß und mit Rädern und ständig begleitet von Betreuern, die mit mehr oder weniger Erfolg versuchen, ihre Gruppen einigermaßen geordnet an's Ziel zu bringen.
Und all diese Kinder wohnen in "Lagerhöfen", ehemaligen Ställen und Scheunen, die im Sommer tausende von Kindern beherbergen. Etwa 60 solcher Höfe gibt es auf der Insel, davon die Hälfte in Buren.

Seit 1976 sind auch Kinder aus St. Matthias dabei. Seit dieser Zeit fahren Gruppen aus dem Raum Neuwied - Mayen - Koblenz nach Ameland. Der damalige Jugendpfarrer Paul Freialdenhoven hatte auf diese Lagerhöfe auf Ameland aufmerksam gemacht. Über zwanzig Jahre sind eine lange Zeit, in der die Ameland-Freizeiten schon zur Tradition geworden sind. Aber es gibt Gruppen, die schon etwa 50 Jahre auf die Insel kommen, meistens aus Nordrhein-Westfalen.

Auch in diesem Jahr (1996) lebten die Kinder wieder im Haus "de Westhoek", das der Familie Beekema gehört und uns Jahr für Jahr zur Verfügung steht. Es bietet Platz für 60 Kinder, Betreuer und Küchenpersonal. Die Kinder wohnen in 4 bis 14 Bett-Zimmern, alle mit einfachen Stockbetten ausgestattet. Zum Haus gehört noch ein Aufenthalts- und Speiseraum und eine große Spielwiese.

Zur diesjährigen Freizeit (1996), die vom 13.-28. August stattfand, haben wir jedoch nur 42 Kinder im Alter von 8-12 Jahren mitgenommen. Der Grund: wir wollten die Gruppe etwas überschaubarer halten und besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Altersgruppen eingehen; so gibt es seit dem vergangenen Jahr eine zweite Freizeit, die parallel stattfindet. Die 13-15 jährigen Jugendlichen waren in einem eigenen, etwas kleineren Haus untergebracht. An der Freizeit im "de vrije Wil" nahmen etwa 30 Jugendliche teil, begleitet von einem sechsköpfigen Betreuerteam. So waren in diesem Jahr also rund 70 Kinder und Jugendliche, begleitet von 18 Betreuerinnen und Betreuern und den "guten Küchengeistern" auf der Insel.

Warum machen wir diese Freizeiten? Diese Frage stellt man sich manchmal bei abendlichen Leiterrunden, bei einer Flasche Grolsch und einem Bessengenever, wenn die Kinder gegen 22.30 Uhr endlich ruhig sind und die meisten nach einem 14-15 stündigen, anstrengenden Tag schlafen. Wenn man ständig Streit geschlichtet, mit Pflaster und Salbe Wehwechen gelindert und mit mit viel Zuwendung Heimweh überbrückt hat. Wenn man dreimal am Tag gekocht, den Tisch gedeckt hat, gespült, gereinigt, 40 Kinder durchgezählt, sich unzählige Male angehört hat, dass "die Silke mich ärgert" oder "der Paul mit dem Streit angefangen hat...!"

Warum machen wir diese Freizeiten? Weil es Spaß macht! Weil wir erleben, dass kleine "Individualisten" zu Gruppenkindern werden, die sich in einer großen Gemeinschaft wohl fühlen. Weil wir spüren, dass Kinder die sich sonst mit dem Fernseher beschäftigen, Spaß am Spiel, am Basteln, am Wasser, an der Natur, an der Gemeinschaft entwickeln, weil sie lernen, Aufgaben ernsthaft wahrzunehmen. Oder weil es einfach begeistert, in vierzig fröhliche Gesichter zu schauen, die das "Ameland-Lied" schmettern, einfach nur Spaß haben bei Sketchen, Spielen und Aufführungen beim "bunten Abend". Oder weil es anrührt, wie sich Kinder in religiösen "Übungen" zurechtfinden, die ihnen fremd sind und irgendwann darauf bestehen, dass vor dem Essen gebetet oder der Kanon angestimmt wird "Segne Vater diese Gaben..."

Und all die gemeinsamen Unternehmungen fallen mir ein: Radtouren über die Insel, zum Deich, zum Leuchtturm, ins Naturschutzgebiet. Die Kutterfahrt übers Wattenmeer zur Robbenbank, wo wir über 40 Robben beobachten können (früher waren es viel weniger!) und die "andächtige" Stille dabei, damit wir die Robben nicht verscheuchen! Ich habe die Fahrt mit offenen Plateauwagen, von Treckern gezogen, am Strand entlang zur Ostspitze der Insel vor Augen, die wir mit beiden Freizeiten gemeinsam unternommen haben. Wenn man einmal nur fröhliche Kindergesichter sehen möchte, dann sollte man sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen!
Ich denke an die (freiwillige) Wattwanderung: was hat uns der Wattführer Bert nicht alles zeigen können: dass es vier verschiedene Arten von Quallen gibt (die ab dann nicht mehr einfach "bäh" sind), dass es im Watt unendlich viel Leben gibt, dass das Wattenmeer ein hochsensibles Ökosystem ist, dass in den Prielen Krabben leben und die Strömung zwar stark, aber nicht unüberwindlich ist ...
Und gutes Wetter hatten wir in diesem Jahr (1996), Strandwetter, also Zeit um die Wellen und den Sand ausgiebig zu nutzen. Ständig waren wir draußen, auch im relativ neuen Erholungsgebiet "de Vleyen", das mit vielen Spielattraktionen und einem Badesee lockt. Und unsere Spielwiese wurde von unentwegten Fuß- und Völkerballern sogar in der Mittagspause ständig genutzt. Hier haben wir uns auch abends gerne in der Großgruppe getroffen (New Games) und unser Riesenfallschirm hat arg gelitten.

Es gibt unheimlich viele Kinder in Buren! Wir finden das toll. Dreimal hatten wir in diesem Jahr mit anderen Lagern "offiziellen" Kontakt: gegen die Irlicher haben wir im Fußball verloren (weil in den ersten zehn Minuten unsere Abwehr noch nicht stand); gegen die Kinder aus Ochtendung konnten wir im Völkerball gewinnen (aber über das 0:6 im Fußball decken wir lieber das Mäntelchen der Verschwiegenheit). Eine Gruppe aus Schmitten (Feldberg) hatte uns zur Strandolympiade eingeladen. In zwölf gemischten Gruppen lernten unsere Kinder auch andere Kinder, eben die "Schmittener" kennen (und schätzen). Und die fröhlichen Heimbach-Weiser von "gegenüber" im Haus Apollo erlebten wir ständig "hautnah" mit.

Auch die Insel Ameland ist den Kindern vertrauter geworden. In den vier Museen der Insel haben wir über die Menschen, über ihr Leben früher und heute, über ihren Kampf mit der Natur und ihre Hilfsbereitschaft Schiffbrüchigen gegenüber erfahren. Wir haben die Geschichte der alten "Ritskemooi" gehört und bei der Nachtwanderung, nach dem Strandfeuer, ist sie uns doch tatsächlich begegnet ...

Die Orte Buren und Nes haben die Kinder ausgiebig kennengelernt und die hart verdienten Gulden ihrer Eltern in weiches Softeis umgesetzt.

Wie war die Freizeit? Anstrengend für die Betreuer und das "Küchenpersonal", das uns verwöhnt hat mit einem ausgezeichneten Essen.
Nach 16 Tagen sind wir wieder gerne nach Neuwied zurückgefahren. Die Kinder können sicher die verbleibenden Ferientage noch nutzen, um sich wieder für die Schule fit zu machen. Den meisten hat es gefallen, ganz bestimmt; aber allen macht man es natürlich nicht recht. Und wir haben wieder dazugelernt, was man noch alles noch besser machen kann für das nächste Jahr. Aber keine Ameland-Freizeit ist wie die andere: zu verschieden sind die Kinder, die mitfahren, zu verschieden die Betreuerteams. Und die "Personaldecke" wird enger. Aber die Vorfreude auf Ameland bleibt. Auch noch nach zwanzig Jahren.
Im kommenden Jahr wird es dann wieder heißen: "Ameland - schönes Land - Perle im Meer! Wir kommen!



(Artikel aus "Drei in einem Boot", Ausgabe 1996)
Hejo Schneider, zwei Wochen im Jahr Freizeitleiter auf Ameland (seit 1977), sonst Gemeindereferent in St. Matthias und Hl. Kreuz in Neuwied.

 
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